Das Smartphone vereint immer mehr Tools und Medien in einem Gerät und ermöglicht uns bei Bedarf, 24h am Tag und 7 Tage die Woche erreichbar zu sein.
Für die einen zum Segen, da sie immer erreichbar sein wollen und ihre Kinder, Partner, MitarbeiterInnen, Eltern usw. jederzeit erreichen könnten (sofern der potenzielle Kommunikationspartner mitspielt). Für die anderen ein Fluch, weil der Druck, permanent erreichbar zu sein, immer größer wird.

Wie moderne Kommunikationstheorien bestätigen, lösen neue Medien alte Medien nicht ab, sondern reformieren sie. Während früher die Tageszeitung in der U-Bahn, die Nachrichten per Radio und Fernsehen und Briefe bzw. E-Mails und sms gesonderte Infrastrukturen verwendeten, vereint das heutige Smartphone immer mehr Kommunikationskanäle als Endgerät in sich. Würden Sie Ihre Mitmenschen und sich selber fragen, worauf Sie eher verzichten würden an Stelle Ihres Smartphones: z.B. Ihr Auto, Printmedien oder gar Ihr Partner… – würde in manchen Fällen die Wahl überraschend ausfallen.

24/7 ERREICHBARKEIT

Wie verhält es sich nun in der modernen Arbeitswelt, die mittels smart working, Geräte Synchronisation und Smartphones kaum mehr in den Feierabend zu drängen ist?
Wann ist es berechtigt unerreichbar zu sein?
Wie reagiert man als MitarbeiterIn, falls in der Firmenkultur des Arbeitsplatzes Erreichbarkeit in der Freizeit, Urlaub und Krankenstand Usus ist?

Wenn Wissen (Information) tatsächlich Macht ist, dann geht auch die Verantwortung mit der Macht einher. Da es aber um die eigenen Ressourcen geht, werden diese in der Leistungsgesellschaft, zu allererst von uns selbst ausgebeutet. An dieser Stelle kommt mir ein breitgetretenes Unwort in den Sinn – Burnout. Dieses ist jedoch neben der medialen Modeerscheinung eine ernstzunehmende medizinische Diagnose mit der nicht zu spaßen ist.

Haben Sie „Immer-Erreichbar-KollegInnen“ ?

Die einen MitarbeiterInnen sind beruhigt und erfreut die allgegenwärtige Erreichbarkeit und Überblick über Termine, E-Mails und dergleichen zu haben. Die anderen MitarbeiterInnen erliegen häufig dem Druck seitens Arbeitgeber mittels Gruppenzwang der „Immer-Erreichbar-KollegInnen“ mithalten zu müssen. Auch Chefs sind davor nicht gefeit, da die Illusion von Information = Kontrolle allzu verlockend sein kann. In Zeiten, wo „work-life-balance“ schon zum Unwort tendiert, wird das Smartphone mit all seinen unendlichen Möglichkeiten zum Öl im Feuer der Diskussion: Wie viel Ablenkung braucht der Mensch? Wann sind Social Network Plattformen eine Ablenkung von der Arbeit und wann ist die Arbeit die Ablenkung von privaten Problemen? Ist das Chatten in diversen Netzwerken während der Arbeitszeit eine geistige Pause von der Arbeit – ähnlich der vieldiskutierten Zigarettenpause zum Netzwerken. Oder eine unerlaubte Pause, die eingetragen und genehmigt werden müsste?

Wie definiert sich Arbeitszeit heute?

Wie verhält es sich mit MitarbeiterInnen, die Ihr ständiges E-Mail lesen und beantworten als Arbeitszeit deklarieren, jedoch keine angeordnete Überstunde vorliegt? Dagegen sind MitarbeiterInnen, die beispielsweise mit dem Zug pendeln und während der Reisezeit effektiv arbeiten, das plausible Rolemodel. Wann artet das Vermischen von privat und geschäftlich in der Informationsgesellschaft komplett aus? Frei nach einem kürzlich gelesenen Facebook-Posting von neulich: „Habe in der Nacht von der Arbeit geträumt. Gleich zwei Überstunden geschrieben.“

Kennen Sie das beklemmende Gefühl Ihr Smartphone daheim vergessen zu haben und unterwegs keinen Internetzugang zu haben? Wie lautet Ihr ehrliches Fazit – ist es entspannend und erleichternd mal nicht erreichbar zu sein oder beunruhigt es Sie zutiefst? Fühlen Sie sich nackt und unorganisiert? In diesen eng synchronisierten Zeiten von all-in-one Geräten wie dem Smartphone erkennt der Mensch immer wieder, dass alles, was Komfort schafft, genauso zum selbstgebauten goldenen Käfig werden kann.

Fazit

Der Mensch ist mehr denn je und jünger denn je gefragt Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Das heißt, dass wir immer früher erwachsen werden müssen und uns immer weniger Fehler erlauben dürfen, wenn wir nicht unangenehme Konsequenzen befürchten wollen.
Stichwort: Das Internet vergisst nicht.

Von Mag. Emese Bordi